Die neue Blog-Serie zum Thema:
«Führung im Wandel»

Als ich vor sechs Jahren zu meinem heutigen Arbeitgeber wechselte, wurde mir rasch bewusst, wie stark auch der mir anvertraute Center mit 80 Mitarbeitenden von einem Kontext geprägt war, der auf klarer Hierarchie basierte mit der Arbeitszuweisung von oben nach unten kombiniert mit einer ausgeprägten Kontroll- und Reporting-Kultur. Kurz: ich fand mich im klassischen Industriekonzern.

Die temporäre Übernahme eines weiteren Centers mit nun insgesamt 140 Mitarbeitenden verstärkte den Druck auf mich und die gesamte Centerleitung. Zusammen mit meinem Führungsteam formulierten wir in einer ersten Phase ein gemeinsames Führungsverständnis und gestalteten dann schrittweise unser eigenes Führungsmodell angepasst auf die Bedürfnisse unseres Centers.

Dabei verlor die Hierarchie weitgehend ihre Bedeutung – soweit als dies in einem industriell geprägten Konzern möglich ist. Die Hierarchie wird heute überlagert von autonomen Führungskreisen, die sich aus Mitarbeitenden aller Hierarchiestufen des Centers zusammensetzen.

In der Folge hat sich im Führungsbereich eine Kultur der Zusammenarbeit und Innovationsfreude etabliert. Die Rollen der Führungskräfte enthalten heute andere Aufgaben und Mitarbeitende können sich breiter einbringen.

Mein Erfahrungsbericht

Mit diesem und den nachfolgenden Blog-Beiträgen will ich meine Erfahrungen aus über 20 Jahren in unterschiedlichen Führungsfunktionen mit dir teilen. In den letzten Jahren durfte ich im Kontext eines Industriekonzerns einen tiefgreifenden Veränderungsprozess mitgestalten. Inspiriert haben diesen Prozess zahlreichen Quellen wie beispielsweise

  • Grundzüge des «Manifest für Agile Softwareentwicklung»
  • Ansätze der Selbstorganisation, wie zum Beispiel Holokratie und Soziokratie
  • Fredric Laloux: «Reinventing Organizations – Ein Leitfaden zur Gestaltung sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit», ISBN 978-3-8006-4913-6
  • Bernd Oestereich, Claudia Schröder: «Das kollegial geführte Unternehmen – Ideen und Praktiken für die agile Organisation von morgen», ISBN 978-3-8006-5229-7
  • Ash Maurya: «Running Lean», ISBN 978-1-4493-0517-8
  • General Stanley McChrystal, Tantum Collins, David Silverman: «Team of Teams: New Rules of Engagement for a Complex World», ISBN 978-1-59184-748-9
  • Jeremy Hope, Peter Bunce, Franz Röösli: «The Leader’s Dilemma: How to Build an Empowered and Adaptive Organization Without Losing Control», ISBN 978-1-119-97000-2

Dieser Blog soll Denkanstösse geben, über die eigene Organisation und gegebenenfalls über die eigene Führung, besonders über laufende und anstehende Veränderungen nachzudenken. Es gibt so vieles zu entdecken! Leadership ist spannend.

Gerne nehme ich dich mit auf meine Reise von der Industrie- in die Wissensgesellschaft und ihren unterschiedlichen Grundsätzen der Führung in der VUCA-Welt. Diskussionen und Reflexionen des Wandels stehen dabei im Vordergrund und nachfolgende Blogs gehen beispielsweise diesen Fragen nach (wobei diese Liste durchaus spontan angepasst wird):

Wandel hin zur VUCA-Welt

Agrar-, Dienstleistungs- und Industriegesellschaft

Veränderungen gehören zur Entwicklung unserer Gesellschaft. So endete vor über 11’000 Jahren das Zeitalter der Jäger und Sammler mit der Erfindung des Anbaus von Pflanzen, mit dem Aufkommen der Agrargesellschaft.

Erst mit den technologischen Entwicklungen im 19. Jahrhundert – mit der maschinellen Erzeugung von Gütern – wandelte sich die Agrar- zusehends in die Industriegesellschaft. Neue Transportmittel wie Dampfschiffe, Züge und später auch Flugzeuge förderten den internationalen Handel und lösten damit die Globalisierung aus.

Mit dem Aufkommen der Dienstleistungsgesellschaft gegen Ende des letzten Jahrhunderts bestritten mehr Menschen ihre wirtschaftliche Wertschöpfung mit Dienstleistungen als im Agrar- oder Industriesektor.

Wissensgesellschaft

Im 21. Jahrhundert tauchen wir in die Wissensgesellschaft ein. Das ist eine Gesellschaftsform, in welcher individuelles und kollektives Wissen und seine Organisation vermehrt zur Grundlage des Zusammenlebens werden. Dabei ändern sich die gesellschaftlichen Werte und Normen und die Bedeutung, die Rollen und das Zusammenspiel von Kirche, Staat und Wirtschaft wandelt sich fundamental.

Mit der Digitalisierung und der Vernetzung wird unsere Welt zusehends entmaterialisiert: Kommunikationsmittel wie dereinst das Telegramm, später das Telefon und Fernsehen sind heute Standard-Apps unserer Mobiltelefone. Auch die Printmedien (Bücher, Zeitungen, etc) werden zunehmend vom Papier abgelöst und wandern auf unsere Bildschirme. Das Internet wird zum Speicher des Weltwissens und schier unendliche Rechenleistungen beziehen wir aus der Cloud.

Willkommen in der VUCA-Welt

Heute, im Spätsommer des Jahres 2020, als die Corona-Pandemie irgendwie nicht abklingen will, sucht die Welt besonders intensiv nach Orientierung. Noch nie zuvor schien die Zukunft derart ungewiss, die aktuelle Situation so unbeständig und Grundlagen zum Treffen von Entscheidungen ebenso vieldeutig. Das Coronavirus hat schlagartig klar gemacht, wie komplex unsere Welt geworden ist.

Die Zunahme dieser Komplexität geht aber nicht etwa auf den Ausbruch der Corona-Pandemie zurück: Schon viele Jahre wird unsere Welt mit dem Akronym der VUCA-Welt beschrieben. VUCA steht für Volatilität (Volatility), Unsicherheit (Uncertainty), Komplexität (Complexity) und Vieldeutigkeit (Ambiguity). In der VUCA-Welt wird intensiv nach angepassten Handlungsmustern z.B. zur Problemlösung oder zur Unternehmensführung in komplexen Situationen gesucht. Diese Blog-Serie wird auch solche Aspekte beleuchten.

Es erstaunt kaum, dass Führung in der VUCA-Welt sich von der Führung im Industriezeitalter unterscheiden muss. Allerdings: während innovative Unternehmensteile längst in der VUCA-Welt angekommen sind, funktionieren möglicherweise andere Teile nach dem klassischen Industrie-Muster. Diese Koexistenz beider Welten ist ein wesentlicher Schlüssel zum erfolgreichen Wandel. Mehr dazu in den nachfolgenden Blog-Beiträgen.